Vorwort

Die 75-Jahrfeier der Pfarrkirche St. Josef gab uns Anlass, nach ihrer Geschichte in Schriften und Dokumenten zu forschen.
Dabei ist uns aufgegangen, wie treffend dieses Gotteshaus das Leben der Pfarrgemeinde in allen Epochen widerspiegelt.

Wer sich die Kirche von außen näher ansieht, ist überrascht über die gewaltigen Ausmaße, wird die Gliederung der Außenwände mit den Strebepfeilern und ihren kunstvollen Kapitellen bewundern und entdecken, wie die Fenster in den Seitenschiffen und im Hauptschiff im gotischen Stil verschiedene Formen aufweisen. Auch das Haupt- und die Seitenportale lassen etwas erahnen von der Schönheit dieses Gotteshauses, das einst mit dem 75 Meter hohen Turm eine Wahrzeichen für Malstatt war.

Wenn wir uns noch dazu die alten Bilder anschauen, die die Innenausstattung der Kirche wiedergeben, dann können wir nur staunen und uns fragen: Wie haben unsere Vorfahren das fertiggebracht?

Das zeugt von einer tiefen Glaubenskraft und einer großen Opfergesinnung.

Für sie war die Kirche Zeichen der Gegenwart Gottes, eine Stätte der Gottesverehrung und der Anbetung, Abendmahlsaal und Golgota und ein Bild des himmlischen Jerusalem, Verheißung dessen, was einmal sein wird.
Die gut besuchten Gottesdienste, das Feiern der großen Feste im Kirchenjahr und besonders Fronleichnam mit der Sakramentprozession, an der Tausende von Katholiken teilnahmen, sind Zeugnis tiefer Frömmigkeit der Gläubigen von St. Josef.

Der 2. Weltkrieg mit der Zerstörung der Kirche und des Stadtviertels und die zweimalige Evakuierung der Bewohner ist mit dem Schicksal des Volkes Israel in der Babylonischen Gefangenschaft vergleichbar.
In die Heimat zurückgekehrt, standen sie vor Trümmern.

Nur langsam und mühsam gelang der Wiederaufbau und viele Malstatter haben sich andernorts niedergelassen. Der äußere Zusammenbruch durch den Krieg brachte zugleich auch den Bruch des religiösen Denkens und Empfindens mit sich.
Die Heimgekehrten haben mit großem Erfolg mitgeholfen, das Gotteshaus wiederaufzubauen. Durch die liturgische Bewegung inspiriert, wurde der Altar in die Vierung der Kirche gestellt. Die Neugestaltung wurde so begründet: „Die Gemeinde bildet sich aus dem Gnadenvermächtnis, das am Altar gehalten wird, und versammelt sich zu dem erhabenen Dienst, für den dieser bereitet ist. Auf ihn hin ist alles ausgerichtet: die Bänke, die Orgel, der Chor, der Ambo, die Kommuniontische, die Sedilien und bei der Feier des Gottesdienstes die gläubige Gemeinde. Seine Stellung und Gestalt werden der Feier gerecht, die sich an ihm vollzieht. Das ist ein Dienst der ganzen Gemeinde der Gläubigen im wohlgeordneten Wechselspiel zwischen dem Priester und den Altardienern und Lektoren und der Sängerschar und den Gläubigen.“

So hat jede Generation an diesem Gotteshaus gebaut und damit ihrem Glauben Ausdruck gegeben. Für sie und uns gilt das Wort des Petrus:

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“. (1. Petr. 2,5)
Ich danke allen, die an dieser Schrift mitgearbeitet haben. In den Ausführungen haben wir uns im wesentlichen auf die Geschichte der Kirche beschränkt. Im Jahre 1988 dürfen wir, so Gott will, die 100-Jahrfeier der Pfarrei St. Josef begehen. Dann werden wir die Gelegenheit wahrnehmen, die Geschichte der Pfarrei ausführlich darzustellen.
Ich schließe mit einem Wunsch, den Pfarrer Johannes Pütz zur 50-Jahrfeier geschrieben hat:
„Möchte diese Schrift Zeugnis ablegen von diesem unveränderten Eifer aller vergangenen Epochen, Gott die Ehre zu geben und die Gemeinde in Liebe zu erbauen und dem Heil der Seelen zu dienen“.
Josef Schmidt, Pfarrer


Der Anfang

Wohnten 1867 nur 1.158 Katholiken in Malstatt, so war ihre Zahl bis 1885 bereits auf 5.480 angewachsen. Die industrielle Entwicklung ließ immer mehr Menschen zuwandern.

Die Katholiken Malstatts gehörten zur Pfarrei St. Johann. Ihre stetig wachsende Zahl forderte die Schaffung einer Vikarie, deren erster Vikar, Matthias Metzdorf, am 28.10.1887 nach Malstatt kam. Als erster Gottesdienstraum dienten zwei kleine, ineinandergehende Zimmer im Haus der Witwe Keßler in der Großen Schulstraße.

Am 18.08.1888 wurde die Vikarie in eine Pfarrei mit Pfarrsitz in Malstatt umgewandelt und Vikar Metzdorf zur ersten Pfarrer ernannt.

Da der bisherige Gottesdienstraum viel zu klein war, galt die vordringlichste Sorge der Er-richtung einer bescheidenen Notkirche. Im Frühjahr 1888 damit begonnen, zog die Gemeinde am 1. Adventssonntag in ihr neues Gotteshaus, Kleine Schulstraße, (heutiges Dechant-Metzdorf-Haus) ein.

 

Keßler-Haus, Große Schulstraße
Keßler-Haus, Große Schulstraße
Notkirche, Kleine Schulstraße
Notkirche, Kleine Schulstraße
Innenraum der Notkirche 1888
Innenraum der Notkirche 1888

Bau der Pfarrkirche St. Josef

Nachdem 1898 die Zahl der Katholiken bereits 10.000 überschritten hatte, reichten auch die Plätze der Notkirche nicht mehr aus. Es wurde der Bau einer großen Kirche geplant. Als Bau-platz konnte man den alten Friedhof an der Friedrichstraße (heute St.-Josef-Straße) erwerben. Nach den Plänen des Bonner Architekten Rüppel begann man am 07.09.1908 mit dem ersten Spatenstich das große Werk. Rasch wuchsen die aus mächtigen Steinquadern gefügten Außenmauern, spannte sich das Gewölbe, von den Säulen getragen, wurde das Bauwerk vom 75 m hohen Turm überragt. Nach nur zweijähriger Bauzeit war die Kirche fertiggestellt. Am 11. September 1910 wurde sie eingeweiht und am 10. Mai 1911 durch Bischof Michael Felix Korum feierlich konsekriert.

Kirche 1910
Kirchenraum 1922

Die Ausstattung der Kirche

Kanzelplasitk

Die erste Ausstattung war dem neugotischen Stil des Gotteshauses angepasst.

Altäre, Kanzel, Kommunionbank und der holzgeschnitzte Aufsatz des marmornen Taufbe-ckens wurden gefertigt von Holzbildhauer Brücker aus Rheda i.W.

Der Hochaltar, eine hoher gotischer Flügelaltar, enthielt im Mittelteil vier große Reliefs mit Darstellungen aus der Bibel: Mannaregen in der Wüste, Hochzeit zu Kana, Abendmahl und Kreuzigung. Bei geschlossenen Flügeln waren als Halbreliefs die hl. Magdalena, die hl. Ag-nes, der hl. Alfons und der hl. Antonius zu sehen. Neben den Reliefs zeigte der Altar mehrere Vollplastiken: über dem Tabernakel die Statuen des hl. Herzens Jesu, der hl. Klara und des hl. Thomas, zwischen den Flügeln die kleineren Statuen der hl. Elisabeth und des hl. Franziskus, im oberen Teil die Statuetten musizierender Engel.

Der prachtvolle Altar muss die Gemeinde wohl sehr beeindruckt haben. In der Festschrift von 1935 ist angemerkt: Der Altar ist ein einziges Te Deum in Holz und Stein und rühmt die Heilstaten und die Heilsgnaden des Herrn.


Hochaltar und Taufstein

Zu den besten Arbeiten am Marienaltar gehörten die Statue der Gottesmutter mit dem Jesuskind und die Reliefs Mariä Opferung und Mariä Himmelfahrt.

Kernstück des Josefsaltars war ein großes Mittelrelief, die heilige Familie darstellend, flan-kiert von den Statuen des hl. Joachim und der hl. Mutter Anna.

Die feinsten und ausdrucksvollsten Schnitzerein bot die Kanzel: an den fünf Ecken die Ganz-plastiken von Jesus und den Evangelisten, dazwischen vier Reliefs: Paulus auf dem Areopag, Bergpredigt, Aussendung der Apostel, Bonifatius bei den Germanen.

Gestalterische Elemente der Kommunionbank, in der neugestalteten Kirche vor den ersten Bänken aufstellt, sind eine Reihe von Tiersymbolen: Adler, Bock, Hirsch, Lamm, Pelikan, Löwe, Phönix und Pfau.
Der Taufstein aus Marmor, eine gut gestaltete Bildhauerarbeit, war gekrönt von einer Haube aus Holz, deren aufstrebende Fialen von der Figur Johannes des Täufers überragt wurden.


Statue der Gottesmutter und Mittelrelief des Josefaltares

Die Orgel mit ihren 42 Registern und 2.600 Pfeifen wurde 1923/24 von der Orgelbaufirma Weigle bei Stuttgart gebaut. Das Instrument, umgeben von einem Gehäuse aus reichem Schnitzwerk, hatte seinen Platz auf der Orgelempore an der Turmseite der Kirche.

Die Raumwirkung der Kirche erhielt eine besondere Prägung durch die farblich gut abgestimmten Fenster. Aus der Vielzahl der Fenster hoben sich die drei hohen Chorfenster und die vierzehn Fenster der Seitenschiffe durch ihre starke Aussagekraft besonders hervor. Die drei Chorfenster zeigten Stationen aus dem Leben des hl. Josef: Mariä Vermählung, Mariä Heim-suchung, Geburt Christi, Flucht nach Ägypten und Tod Josefs. Die beiden großen Rosetten brachten Christus als König und Maria als Himmelskönigin, umgeben von psallierenden En-geln zur Darstellung. Diese Fenster stammten vom Hofglasmaler Treeck aus München. Die vierzehn Fenster der Seitenschiffe, geschaffen von Glasmaler Voege aus Mannheim, beinhal-teten die Kreuzwegstationen.


Kriegergedächtniskapelle

Die farbliche Ausgestaltung der Kirche erfolgte im Jahre 1922. Wände, Bögen und Gewölbe-rippen zierten farbige Ornamentbänder des Kirchenmalers Held aus Düsseldorf. Die musizie-renden Engel an den Wänden des Chorraumes und die beiden Gemälde in der Kriegerge-dächtniskapelle („Sterbender Krieger“, „Trauernde Familie“) sind Arbeiten des Bonner Malers Stucke.

Das erste Geläute der Kirche, abgestimmt auf die Töne b, des, s, f und ges, wurde in einer Colmarer Glockengießerei hergestellt.


Am 30. November 1913 starb der Erbauer von St. Josef. Sein Nachfolger, Pfarrer Theodor Acker, leitete die auf 16.000 Gläubige angewachsene Pfarrei in den schweren Jahren des 1. Weltkrieges. Inzwischen wurde der Pfarrer von St. Josef von fünf Kaplänen bei den Seelsorgeaufgaben unterstützt.

Tochtergemeinden

St. Josef bis zum Ende des 2. Weltkrieges

1919 wurde Pfarrer Acker von Pfarrer Franz Bungarten abgelöst. Seiner Initiative verdanken wir unter anderem die Innenausmalung von St. Josef, ein neues Geläute – die ersten Glocken waren 1917 für Rüstungszwecke eingeschmolzen worden –, eine große Orgel.

1936 musste Pfarrer Bungarten, der mit den Nationalsozialisten in Konflikt geraten war, das Saarland verlassen.
Am 13. Dezember 1936 wurde als sein Nachfolger Pfarrer Dr. Otto Hirtz eingeführt. Sein besonderes Anliegen war die liturgische Erneuerung des Gottesdienstes, der er sich mit Tat-kraft und behutsamer Umsicht annahm.

Inzwischen war die ehemalige Notkirche – sie hatte während der wirtschaftlich schwierigen Zeit der zwanziger Jahre als Suppenküche für bedürftige Bürger gedient – zum Caritashaus umgebaut worden. Das Haus bot Platz für die Büros des Caritasdirektors Schmidt (später Pfarrer von St. Johann, danach Weihbischof), eine kleine, dem neuen Liturgieverständnis an-gepasste Kapelle, Gruppenräume für die Jugendarbeit und eine Küsterwohnung. An dieser Stelle sei dankbar eines Mannes gedacht, der fast 25 Jahre (1929 – 1953) seine ganze Kraft als Küster und Kirchenrechner in den Dienst unserer Pfarrgemeinde gestellt hat, Leo Schorr.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges war unsere Pfarrkirche verwaist. Die Bewohner Malstatts wurden am 1. September 1939 für die Dauer eines Jahres evakuiert. Auch die Seelsorger zogen mit ihren Pfarrkindern in die Fremde und versuchten, die zerstreute Herde in den verschiedenen mitteldeutschen Gauen seelsorgerisch zu betreuen.

Im Spätsommer 1940 füllte sich die Pfarrkirche wieder mit dankbar heimgekehrten Gläubigen.
Am 30. Juli 1942 erfolgte der erste große Fliegerangriff auf Saarbrücken. Auch die Pfarrkirche wurde durch Sprengbomben beschädigt: Fenster, Dächer und Türen gingen zu Bruch, doch ließ sich das Gotteshaus wieder benutzbar machen, zumal es noch gelang, notwendiges Instandsetzungsmaterial zu beschaffen.

Die zerstörte Kirche

1943 - 44 erfolgten noch mehrere Fliegerangriffe. Unsere Kirche wurde schwer heimgesucht: Die Notverglasung wurde zertrümmert, Teile des Daches zerstört, die Gewölbe stark beschädigt. Das Gotteshaus war unbenutzbar geworden. Als Notkirche diente nun die erweiterte Kapelle des Caritashauses in der Kleinen Schulstraße.

Beim Großangriff am 4. Oktober 1944 wurde unsere Pfarrkirche zur Ruine. Brandbomben ließen den brennenden Turmhelm auf das hintere Dach stürzen, entfachten einen nicht zu löschenden Brand im Gebälk und durchschlugen das Gewölbe. Unsere stolze Orgel verglühte im Feuermeer, die letzte uns verbliebene kleinste Glocke stürzte ab und zerbarst.

Auch das Caritashaus wurde zerstört. Das Kloster in der Kleinen Schulstraße brannte aus. Die Brückenverbindungen zum oberen Malstatt waren nicht mehr begehbar. Nun mussten vordringlich Notkapellen eingerichtet werden: die eine im Anbau des Schwesternhauses, die an-dere im Haus Paul Becker in der Schillstraße. Auch das Pfarrhaus war bis zur Kellerdecke ein Raub der Flammen geworden. Pfarrer Hirtz richtete sich im Keller ein, Kaplan Stabler be-wohnte einen Kellerraum unter der Knabensakristei. Pater Düren, der anstelle der einberufe-nen Kapläne zu uns gekommen war, übernahm die Seelsorge im oberen Malstatt und wohnte auch dort.

Im Spätjahr wurden die Malstatter zum zweiten Mal in die Fremde geschickt. Als nur noch ganz wenige Bewohner die Erlaubnis hatten, aus dienstlichen Gründen dableiben zu dürfen, der Artilleriebeschuss aber immer bedrohlicher wurde, mussten auch die Bewohner des Pfarr-hauskellers die Stadt verlassen. Am 8. Dezember 1944 zog Pfarrer Hirtz mit den letzten Da-heimgebliebenen, ein paar Habseligkeiten auf dem Handwagen mitführend, nach Camphausen zu Familie Julius Schneider. Hier wartete er das Kriegsende ab.


St. Josef 1945 – 1961

Ab Palmsonntag fanden wieder regelmäßig Gottesdienste in unserer Gemeinde statt. Pastor und Kaplan bezogen wieder ihre Kellerwohnungen und teilten sich die Seelsorgeaufgaben. Noch war die Zahl der Heimgekehrten klein, wuchs aber von Woche zu Woche. Nach und nach regte sich überall der Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Stadtteils. Im Mai und Juni kehrten auch die beiden Kapläne Johannes Pütz und Christoph Gellweiler vom Militärdienst zurück. Für die Katholiken im unteren Malstatt wurde der ehemalige Kindergarten beim Schwesternhaus in der Kleinen Schulstraße als Gottesdienstraum hergerichtet. Für die größere Zahl der Pfarrkinder im oberen Malstatt erwies sich die Notkapelle in der Schillstraße als viel zu klein. Es wurden zwei Holzbaracken von der Firma Röchling erworben. Sie sollten zum Bau einer Notkirche dienen.

Notkirche St. Paulus 1945

Als Bauplatz stellte die Stadt Saarbrücken das Gelände Ecke Lebacher-/Deutsche Straße (heute Rheinstraße) zur Verfügung.

Rechtzeitig zu Weihnachten, am 23. Dezember 1945, konnte die neue Barackenkirche von Pfarrer Dr. Hirtz eingeweiht und unter den Schutz des Völkerapostels, des hl. Paulus, gestellt werden.

Zu Beginn des Jahres 1946 wurden die Wiederaufbauarbeiten an der Pfarrkirche St. Josef erneut aufgenommen. Man hatte sie unterbrochen, um alle Kräfte frei zu haben für die Errichtung der Notkirche St. Paulus. Unter der „ Bauleitung“ von Kaplan Stabler wurde unter schwierigsten Bedingungen Baumaterial herbeigeschafft. Seiner praktischen Begabung und seinem unermüdlichen Einsatz verdanken wir das zügige Voranschreiten der Aufbauarbeiten an Kirche und Pfarrhaus.
Im September 1946 nahm Pfarrer Dr. Hirtz, bedingt durch seinen schlechten Gesundheitszu-stand, Abschied von St. Josef.
Am 15. Mai 1947 wurde der frühere Kaplan Johannes Pütz als neuer Pfarrer in Malstatt eingeführt. In der Zeit der Vakanz hatten sich die beiden Kapläne Friedrich Stabler und Hans Kost die schwierige seelsorgerische Arbeit geteilt, dazu noch ein Übermaß an Aufbau- und In-standsetzungsarbeiten geleistet.

Jetzt wurde mit Pfarrer Pütz der innere und äußere Aufbau der Gemeinde tatkräftig weitergeführt.

Der Wiederaufbau unserer Pfarrkirche sollte in drei Bauabschnitten gemeistert werden:

  1. Erneuern des Daches über dem vorderen Teil der Kirche, in dem das Gewölbe erhalten geblieben war.
  2. Einziehen einer Trennwand. Gewölbe und Dach über dem hinteren Teil der Kirche.
  3. Völlige Wiederherstellung.

1. Bauabschnitt

Im Herbst 1946 begannen die Arbeiten mit dem Aufbringen des Dachstuhles. Zimmer-mann und Dachdecker hatten im Spätjahr 1947 ihre Arbeit beendet. Die Trennwand war hochgezogen. Die neue Währung erzwang die Einstellung der Arbeiten. Die Finanzlage wurde durch die Spendenfreudigkeit und den Arbeitseifer der Malstatter Katholiken gelöst. Pfarrer Pütz hatte am Schutzfest des hl. Josef 1948 zur freiwilligen Arbeit und Monatlichen Spende für den Wiederaufbau der Pfarrkirche aufgerufen. Das Echo war überwältigend. Glaser, Gipser, Schreiner und viele freiwillige Helfer waren am 1.Werk. Das Chor der Kirche wurde gestrichen, Querschiff, vorderes Hauptschiff und Gewölbe in Eigenleistung - nur mit Hilfe einer Feuerwehrleiter – mit einem hellen Anstrich versehen.

Nun ging man an die Gestaltung des Innenraumes. Der Wiederaufbau war die geeignete Gelegenheit, das Chor neu zu gestalten. Für die verkürzte Kirche war die Umgestaltung zwingend notwendig, da jetzt ein großer Teil der Gläubigen in den Seitenschiffen Platz nehmen musste und keine Sicht zum Hochaltar hatte. Die Stelle für den neuen Altar wurde unter den Triumphbogen vorverlegt. Auf einen dreistufigen Unterbau wurde der freistehende, aus hellem Stein gehauene Altartisch erstellt. Mehr als die praktischen Gesichtspunkte drängte die Liturgie zu dieser Umänderung.: Der Altar – Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Am 19. September 1948 konsekrierte Weihbischof Metzroth den neuen Altar und weihte damit den Raum für die Feier der Liturgie.

Chorraum 1948

2. Bauabschnitt

Infolge der angespannten Finanzlage kam der Weiterbau nur schleppend voran. 1953 wurde der Wiederaufbau am hinteren Teil der Kirche in Angriff genommen. Nach den Plänen des Trierer Architekten Prof. Thoma wurde nach der Erneuerung des Daches, dem Abragen der Reste der alten Orgelempore, eine neue größere Empore mit zwei breiten Treppenaufgängen gebaut. Der darunter liegende Raum wurde durch eine Glasbausteinwand vom noch zerstörten Mittelteil der Kirche abgegrenzt und zur jetzigen Werktagskapelle ausgestaltet.

Werktagskapelle
Kircheninneres und Chorraum 1955

3. Bauabschnitt

Auch die Arbeiten im Mittelteil der Kirche wurden nun zügig ausgeführt. Dach und Gewölbe wurden erneuert bzw. instandgesetzt, der Boden mit Steinplatten belegt.

Der Chorraum bekam eine völlig neue Gestaltung. Die Chorfenster wurden heruntergezogen und neu verglast. Ein großer, aus schwarzem Marmor gefertigter Altan fand seinen Platz zwischen Triumphbogen und erstem Pfeiler. Aus gleichem schwarzem Stein gesellten sich Ambo, Kanzel und eine viergliedrige Kommunionbank dazu. Der neue Altarraum wurde zur Apsis abgegrenzt durch Priestersitz und Sedilien der Messdiener. Schmuckspenden der Gläubigen erlaubten die Anschaffung eines silbernen Tabernakels, der seinen Platz auf dem neuen Altartisch fand.

Im Frühjahr 1954 fanden die umfangreichen Arbeiten ihren Abschluss. Am 7. März wurde die Werktagskapelle eingeweiht. Am Palmsonntag zog die Pfarrgemeinde festlich in den großen Kirchenraum ein, die Trennwand war gefallen.

Unermüdlich plante Pastor Pütz, das Kircheninnere reicher auszugestalten. In den Jahren 1954 bis 1961 wurden die teilweise beschädigten oder unansehnlich gewordenen alten Kirchenbänke nach und nach durch neue ersetzt.

Anstelle der Seitenaltäre wurden zwei schwarze Metallreliefs, St. Josef der Arbeiter und Mariä Verkündigung darstellend, angebracht. 1955 wurde die kleine Empore im rechten Seitenschiff erbaut und nahm die neue, große Orgel auf. Ende 1956 fanden sechs neue Glocken von der Fa. Mabilon, Saarburg, ihren Platz im Kirchturm. 1961 wurden in die Wand des linken Seitenschiffes die vierzehn Kreuzwegstationen als Sgraffito eingearbeitet. Die Notverglasung der Kirchenfenster wurde durch künstlerische Buntverglasung ersetzt.

Alle diese Arbeiten waren rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum unserer Pfarrkirche abge-schlossen. Am 15. Oktober 1961 sollte die Feier beginnen. Am 13. Oktober starb Pastor Johannes Pütz. „In vierzehn mühevollen Jahren hatte er die Kirche aus der Zerstörung des Krieges wieder aufgebaut und ihr die Gestalt des Innenraumes gegeben“. Jetzt wurde er in der Seitenkapelle neben dem Erbauer der Pfarrkirche St. Josef, Dechant Metzdorf, beigesetzt. Sie hält die Erinnerung und das Gedenken an beide Pfarrer und an die Opfer der beiden Weltkriege in unserer Gemeinde wach.


St. Josef von 1961 – 1986

Am 28. Januar 1962 wurde Pastor Erwin Bernard als Pfarrer in St. Josef eingeführt. In seine Amtszeit fiel der von Pastor Pütz geplante und begonnene Neubau des Pfarrheimes in der Pfarrer-Bungarten-Straße. Im Juni 1966 verzichtete er auf seine Pfarrstelle.

Am 1. September 1966 wurde Pfarrer Josef Pauken als neuer Pfarrer in St. Josef eingeführt. Mit der Zeit waren Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an der Kirche notwendig geworden, die unter seiner Leitung durchgeführt wurden.

1967 wurde die wenig benutzte vordere rechte Seitentür entfernt und zugemauert. Die Türnische wurde als kleine Marienkapelle gestaltet. Sie dient seither den Gläubigen als Ort der Stille und des privaten Gebetes.

Die Beleuchtungsanlage der Kirche wurde überholt, die Lautsprecheranlage verbessert. Dach, Dachboden und Turm forderten Ausbesserungsarbeiten. 1972 wurde die Kirche neu gestri-chen, eine private Stiftung hatte diese Arbeit möglich gemacht. 1973 verließ Pfarrer Pauken St. Josef und am 9. September 1973 wurde unser jetziger Pastor, Josef Schmidt, eingeführt. Er setzte die von Pfarrer Pütz begonnene und von Pfarrer Pauken weiter geplante Erneuerung des Chorraumes in jahrelanger und mühsamer Arbeit fort.

Altarraum

Neugestaltung des Chorraumes

Mit dem Wiederaufbau der Pfarrkirche und der Aufstellung des freistehenden Altares auf dem vorgezogenen Podest unter der Vierung waren 1961, also bereits vor dem II. Vatikanischen Konzil, die Voraussetzungen für die Liturgiereform gegeben. Die Förderung des inneren Mitvollzuges und die tätige Mitfeier der gesamten Gemeinde. Der Priester zelebrierte nun zum Volk.

Schon im Jahre 1972 wurden Überlegungen angestellt, den Tabernakel im vordern Teil des Chorraumes auf einer Stele aufzustellen.

Nachdem in der Nacht vom 15. zum 16.09.1976 der Tabernakel vom Altartisch gestohlen wurde, musste eine Lösung für den neuen Standort und die Neugestaltung gefunden werden.

Für die künstlerische Gestaltung des Chorraumes wurde der Bildhauer Josef Baumhauer aus Schwäbisch Gmünd gewonnen. Nach seinen Entwürfen wurden Tabernakelstele, die Verklei-dungen vor dem Altarsockel und dem Ambo, die Leuchter und das Kreuz im Chorraum aus Bronze gegossen.

Der freie Raum in der Apsis hinter dem Priestersitz wurde in den Chorraum einbezogen. Im Zentrum der Apsis war der geeignete Platz zur Aufstellung der Tabernakelstele, die 4 m hoch ist und harmonisch die gotischen Formen der Kirche aufnimmt. Sie steht zusammen mit dem Ewigen Licht auf einem achteckigen, drei Stufen hohen Podest. Der Raum um die Taberna-kelstele mit ihren vier Reliefs, österliche Motive darstellend (Thomas, Emmausjünger, Maria Magdalena), lädt zur stillen Anbetung, Meditation und zur Eucharistiefeier im kleinen Kreis ein.

Von der Stele führt ein Weg in die Mittelachse der Kirche, zum Altar, der inmitten der Gemeinde steht. Auf der Verkleidung des Altarsockels sind das Opferlamm mit den vier Lebewesen und Engeln dargestellt. Um den Altar sind im Chorraum der Priestersitz und die Sitzbänke für die Ministranten angeordnet. Drei niedrige Leuchter stehen auf dem Altartisch.

Die Verkleidung des Ambos stellt Moses und die erhöhte Schlange dar, ein Sinnbild für den erhöhten Christus. Der Ambo als Ort der Verkündigung und der Altar als Stätte der Eucharistiefeier bilden mit dem Kreuz im Chorraum eine Achse. Das Kreuz zeigt Christus, der sich der Gemeinde zu-neigt, und am Sockel den schlafenden Adam. Im März 1985 wurde die Neugestaltung des Chorraumes mit der Aufstellung des Kreuzes abgeschlossen.


Gott begegnen

Der Lyriker Peter Baumhauer aus Kirchheim unter Teck, der Bruder unseres Künstlers Sepp Baumhauer, hat zu den Kunstwerken unseres Chorraumes folgende Meditation geschrieben:

Es ist schwer, Gott so zu begegnen, Gott so zu begreifen, dass wir ihn gern als kostbaren Schatz in unser Leben betten, um ihm vom Ewigen her Glanz und Gewicht zu verleihen.
Zu oft bleibt Gott bloßer Name, ein Wort nur.
Zu oft bleibt die Kraft, die die Welten schuf, die unser Dasein von Herzschlag zu Herzschlag erhält, eine leere Formel, die uns kaum mehr berührt.
Wir sind stumpf geworden.
Hätten wir schärfere Augen, ein feineres Ohr, wir erkennten vieles von Gott, wir sähen mehr von seinem Geheimnis, das alle Welten durchdringt, das uns, verwandelnd, durchstrahlt.
Besäßen wir feinere Sinne, Gott wäre fühlbarer für uns, seine Gegenwart wäre vertrauter.
Es hat Menschen gegeben, die sahen Gott in gewaltiger Weise, die hörten seine Stimme wie Donner.
Mose war einer von ihnen.
Gott sprach zu ihm aus dem brennenden Dorn und befahl ihm, Israel an die Hand zu nehmen, um es, wie einen Blinden, den Weg der Erleuchtung zu führen.
Maria von Magdala gehörte zu ihnen.
Ihre Augen waren gefüllt mit Sehnsucht nach Gott und mit der Kraft, die die Golgothanacht durchdrang, die hinter aller Zerstörung göttlich erlösende Ordnung zu sehen vermochte.
Ein Wort genügt, und sie erkennt im Gärtner den erstandenen Christus, der begonnen hat, die Felder der Gottesbegegnung neu zu bepflanzen.
Auch die beiden auf dem Weg nach Emmaus gehören dazu.
Was ihrer Rastlosigkeit, was ihrer Trauer noch bleibt, ist die Flucht – fort von der Schädelstätte, fort von der Heiligen Stadt.
Sie wollten zurück in die kleine überschaubare Welt, zurück zur täglichen Sorge ums Brot.
Doch der seltsame Begleiter geht mit ihnen auf dem Weg nach Emmaus eine ganz andere Straße.
Mose ist sie gewandert, Elia ging sie; die lange Straße prophetischen Wissens.
Musste nicht Christus dies alles erdulden und so eingehen in seine Herrlichkeit?
Wie Mose die eherne Schlange vor Israel aufrichtete zum Zeichen der Heilung, so richtet Je-sus in den beiden sich und sein Kreuz auf – Zeichen dafür, dass Gott das endlose Sterben aus dem Leib seiner Schöpfung nahm und es, im Tore verwandelt, aufstieß ins Leben hinein.
Musste nicht Christus dies alles erdulden?
Und Thomas begreift, als er die Hand in die Wunde des erstandenen Herrn legt, dass Gottes Weg, dass unser Weg nach Eden zurück durch Schmerz und Verletzung führt. Aber aller Schmerz ist gesegnet, alle Verletzungen sind, obwohl sie noch bluten, geheilt.
Hätten wir schärfere Augen, feinere Ohren, wir könnten mehr von Gott und seinem Wirken erkennen. Wir sähen deutlicher, wie nah er uns ist, wir hörten sein Wort klarer.
Mitten in unserer Kirche reckt die Stele das Geheimnis der Erlösung empor.
Mit ihm verbunden, von im durchdrungen sind die Wanderer von Emmaus, Maria von Magdala, Thomas. Mose zeigt uns die Schlange. Am Altar sehen wir wie in einem Spiegel uns selbst, unser Gesicht, wie Gott es will – beflügelt, über und über mit Augen besät, die sich von Ewigkeit zu Ewigkeit sattsehen sollen an Gott und all seiner Herrlichkeit, die denen bereitet ist, die ihn lieben.

Peter Baumhauer

Der auferstandene Christus spricht Maria von Magdalena mit ihrem Namen an
Der auferstande Christus zeigt dem Zweifler Thomas die Wundermale