Franz Bungarten

Franz Bungarten 1919-1936
Franz Bungarten

Pfarrer in Sankt Josef und Streiter gegen den Nationalsozialismus.


Pfarrer-Bungarten-Strasse 49, das ist unsere Anschrift. Seit den sechziger Jahren traegt diese Strasse den Namen des Mannes, der von 1919 bis 1936 hier Pastor war.

Waehrend dieser Jahre war das Saargebiet (sic) als Folge des verlorenen Weltkrieges vom Deutschen Reich abgetrennt worden. Es unterstand einer Regierung des Voelkerbundes, des Vorlaeufers der Vereinten Nationen. Die Saarwirtschaft stand unter franzoesischem Einfluss.

1935 fand die grosse Volksabstimmung ueber die Zukunft der Saar statt. Zur Wahl standen drei Alternativen: Rueckkehr zum Deutschen Reich, Anschluss an Frankreich und der Status quo (Verbleib unter Voelkerbundverwaltung).
Unter anderen Umstaenden waere dies keine echte Frage gewesen. Fast niemand wollte zu Frankreich, und das Voelkerbund-Regime war unbeliebt. Doch in Deutschland herrschte damals schon seit zwei Jahren Adolf Hitler.

Franz Bungarten gehoerte zu denjenigen, die die Gefahren des Nationalsozialismus schon frueh erkannten. Er verfiel nicht der allgemeinen 'Heim-ins-Reich'-Hysterie, die auch weite Teile der katholischen Kirche ergriffen hatte. Zusammen mit anderen Katholiken wie Johannes Hoffmann, dem spaeteren Ministerpraesidenten des Saarlandes nach dem Krieg, verfocht er den status quo. Das Saarland sollte nicht den Nazis ans Messer geliefert werden.

Damit stand er in offenem Gegensatz zum damaligen Bischof von Trier, Franz-Rudolf Bornewasser. Dieser fuerchtete bei einem Scheitern der Rueckgliederung ein Zerbrechen seines Bistums in einen deutschen und einen saarlaendischen Teil. Ausserdem wollte er nicht, dass die Nazis die Katholiken fuer unpatriotisch hielten. Er rechnete mit Schikanen durch die Nazis.

Franz Bungarten und die status-quo-Anhaenger setzten sich nicht durch. Die Volksabstimmung brachte eine haushohe Mehrheit fuer die Rueckgliederung an das Deutsche Reich.  Schnell uebten die Nazis Vergeltung an ihren Gegnern, die bis dahin im Saarland relativ sicher waren. Auch Franz Bungarten wurde Opfer von Uebergriffen der Nazis.

1936 wurde er nach Bad Neuenahr versetzt. Aber damit war er nicht aus den Schlagzeilen. Als die Wehrmacht 1940 Paris besetzte, weigerte er sich, die Glocken zu laeuten, wie es die Partei befohlen hatte. Daraufhin wurde er verhaftet und aus dem Rheinland ausgewiesen. Es gelang dem Bistum, ihn durch die Versetzung in den Ruhestand aus der Schusslinie zu bringen. Den Rest des Krieges verbrachte Bungarten in einem Sanatorium nahe Bingen.

Nach Kriegsende kehrte er an die Saar zurueck und beteiligte sich am Aufbau der Christlichen Volkspartei unter Johannes Hoffmann. Diese Partei verfolgte das Ziel, das Saarland zu einer Bruecke zwischen Deutschland und Frankreich zu machen. Dennoch wurde Bungarten 1948 von der franzoesischen Besatzungsmacht ausgewiesen. Man hatte sich daran erinnert, dass Bungarten nicht nur ein Gegner der Nazis, sondern auch ein Gegner der franzoesischen Annexionspolitik der zwanziger Jahre gewesen war.

Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1965 wurde Bungarten eine kirchliche Anerkennung zuteil: Er wurde Ehrendomherr in Trier. Bereits 1955 hatte er das Grosse Bundesverdienstkreuz erhalten. Auch die Stadt Saarbruecken ehrte ihn 1961 mit der Ehrenbuergerwuerde.
Franz Bungarten war nicht der einzige kirchliche Wuerdentraeger im Saarland, der sich mit den Nazis anlegte. Sein evangelischer Nachbarpfarrer, Pfarrer Bleeck, gehoerte auch zum kirchlichen Widerstand. Nach ihm ist ein Platz in Malstatt benannt. Zu dieser Zeit gab die Oekumene leider eine politische Zusammenarbeit nicht her. Und an ein Zusammengehen mit Sozialdemokraten und Kommunisten war damals ueberhaupt nicht zu denken.

Auch der Name einer Frau aus der Arbeiterbewegung, Johanna Kirchner, ist heute jedem in Malstatt bekannt: Das Johanna-Kirchner-Heim ist eine geachtete Einrichtung der Altenhilfe in der Traegerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Johanna Kirchner selbst war während der Nazi-Zeit Leiterin des Forbacher Fluechtlingsbueros der SPD. Sie wurde 1944 von den Nazis hingerichtet.

Heute haben die Malstatter aus dieser Zeit Lehren gezogen. Kirchen und freie Traeger (z.B. die Arbeiterwohlfahrt) arbeiten zusammen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.

Franz Bungarten ist den alten Molschdern noch als gestrenger Herr in Erinnerung. Als Lehrer in der Schule und als Prediger war mit ihm oft nicht gut Kirschen essen. Dennoch verdient er Achtung fuer seine unerbittliche Haltung gegenüber Gewaltherrschaft und Fremdbestimmung. Dies war auch der Tenor einer Fernseh-Dokumentation ueber Franz Bungarten, die 1995 auf S3 ausgestrahlt wurde.

Literaturhinweis: Kath. Pfarrgemeinde St. Josef (Hg.), 100 Jahre Pfarrei St. Josef. Saarbruecken 1988.

Matthias Schmitz